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Mit 74 die Nr. 1

Andere nehmen ihren Ruhestand wörtlich und beginnen beschaulichen Hobbys nachzugehen. Er aber überschreitet nochmals eine Startlinie: Nach dem Verlust der Ehefrau und nach jahrelanger Krankheit wollte es Ernst Dietrich erneut wissen und wagte den Schritt ins für ihn bis dahin unbekannte Terrain des Radsports.

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Freut sich aufs Christkindl: Ernst Dietrich aus Innsbruck
Seine Reife kann der Mann von Gardemaß nicht verbergen, wenn er, geprägt von der Milde des Alters, ein sanftes Lächeln im Antlitz trägt. Und trotzdem kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, hier bade einer regelmäßig in einer Art Jungbrunnen. Denn wer sich mit bald 74 Jahren demnächst ein 2009er De Rosa "Avant" in dezentem Karbon-Schwarz gönnt, lebt ganz offenbar am Puls der Zeit und hängt nicht waffenradlerischer Nostalgie nach.

Ernst hat - wie seine Marke des Vertrauens - das Herz offenbar am rechten Fleck. Ein De Rosa muß es sein - zum dritten Male, seit er, ein Schipionier, überhaupt auf den Radsport aufmerksam geworden ist knapp vor dem Millenniumswechsel. Seine neue Leidenschaft ging zufällig einher mit der Eröffnung eines nicht unbekannten Radfachgeschäfts in Schwaz. Und kein Jahr später zählte er - als gebürtiger und damit echter Koatlacker! - schon zur Stammkundschaft des leutseligen und ebenfalls sehr lebensfrohen Firmenchefs in der 25 km entfernten Silberstadt. Wenig später folgte die Mitgliedschaft im "Union Raiffeisen Radteam Tirol", in dem er laut chronologischer Jahrgangsreihung fortan die Nr. 1 stellte.

Trotz Bewunderung für die rennfahrenden Sportkollegen gibt sich Ernst lieber den Genüssen des Radlerdaseins hin und gönnt sich diese in
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Gesucht, gefunden: Ein Weihnachts- geschenk nach Maß vom Profi-Fach- händler.
fast kantscher Regelmäßigkeit, wenn er morgens zwischen 9 Uhr und 9:30 Uhr aufbricht zu einer seiner "Unterlandler Runden", die ihn gegen den Uhrzeigersinn immer auf eine rund 100 - 150 km umfassende Schleife führen, den Reintaler See als Fixpunkt beinhaltend, ansonsten variabel gestaltet; da kann's schonmal passieren, daß ein Abstecher ins Zillertal bis Fügen eingeflochten wird.
Früher, meint er, sei er gern beim Schlitterer Badesee eingekehrt. "Aber die Wirtsleut sind nimmer dieselben - jetzt fahr' i' lieber bis Fügen". Denn das Gastronomische hat der Bier- und Wein-Connaisseur ebenso am Programm stehen wie die genaue Erfassung seiner abgespulten Einheiten, wiewohl es ihm dabei nicht auf Rekorde ankommt. "Um die 10.000 km waren es die letzten fünf Jahre immer; jetzt peile ich die 12 an", entlockt man ihm dann aber doch gewisse Ziele.
In der Gruppe fährt er nicht so gern, dafür hätten ihm manche zu viel "aufgelegt", sagt er fachsprachlich korrekt und meint die gernmal, weil gruppendynamisch überzogene, intensivere Fahrweise in Begleitung.
"Aber ich grüße sie alle - und die meisten grüßen auch retour", freut er sich über die Kollegialität innerhalb der Szene.

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Karl F. (li) und Ernst (re). Karl spielte den Vermittler zwischen De-Rosa-Käufer und De-Rosa-Verkäufer.
Eiserne Selbstdisziplin und eine gehörige Portion Lebenserfahrung müssen hinter der freundlichen Erscheinung des Ernst D. stecken. Denn dem üblichen Bild eines knapp Dreiviertel-Hundertjährigen entspricht er trotz der grauen Haare noch lange nicht. Und wenn er die Zähne dann doch mal zusammenbeißt auf den kupierten Unterlandler Runden, so sind es immer noch seine eigenen. Was also ist sein Geheimnis?

"Ich fahre seit 21 Jahren nicht mehr Auto."

Der Verzicht auf die individuelle Mobilität als Demenz-Prophylaxe? Der ständige kleine Sieg über den inneren Schweinehund als treibene Unruh der Lebenskraft?

Von diesem Verzicht-Entschluß bis zum Radsport dauerte es aber noch ein weiteres Jahrzehnt, also muß noch mehr seinen Lebenstil prägen als das bloße Inhaben einer ÖBB-Jahreskarte.

"Geraucht hab' ich nie." - Spricht's, und sieht einen dabei leicht verstohlen aus den Augenwinkeln an. Soll wohl bedeuten, es war zumindest kein regelmäßiges Rauchen, dem er sich hingegeben hätte.

Ein wenig Schrulligkeit draf's also sein. Und dies äußert sich auch auf seinen Radrunden, wenn er zwar eine Radflasche mitführt, diese aber stets leer ist.
"Das wird sonst nur bacherlwarm - mag' ich nicht", erklärt der Geschichtsinteressierte, dem kein Brunnen und dessen Historie zwischen Innsbruck und Kufstein fremd ist.
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Das De Rosa AVANT '09 - Rahmengewicht: 1040 g
"Das beste Wasser gibt's in Stans - so richtig schön kalt", streut er dem Unterland abermals "de Rosa".
Und die obligatorische Banane darf natürlich auch nicht fehlen. "Weil die € 1,80 für diese Gels ... da muß man schon rechnen anfangen!" - sagt er allen Ernstes und blättert dabei im Hochglanz-Katalog, um im selben Atemzug das schon erwähnte Modell aufzuschlagen: "Im März / April mußt dann schauen kommen - DAS fahrt wie ein Einser!" - Wer sollte das besser wissen als DIE Nr. 1? <MM>

Links:
  • De Rosa AVANT - Passione Bici
  • Probike


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